Sozialwerk Stukenbrock
Projekt der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne



Flucht, Vertreibung und Ankommen in Westfalen:

Hintergrund des Projekts

Im Zuge des 2. Weltkrieges und der Neuordnung der deutschen Nachkriegsgesellschaft wurden Bevölkerungsverschiebungen massiven Ausmaßes eingeläutet. Mit der Evakuierung und der späteren Abtretung der ehemaligen Ostgebiete Deutschlands kamen etwa 12 Millionen Menschen aus diesen Gebieten - zunächst aus Angst vor der nahenden Roten Armee, durch "wilde Vertreibungen" und später im Rahmen der organisierten Umsiedlung in die Bundesrepublik. Weitere rund 4 Millionen Menschen migrierten aus den ehemaligen Gebieten der SBZ und späteren DDR in die BRD. Nach der Flucht und Vertreibungsbewegung der unmittelbaren Nachkriegszeit setzte mit den 50er Jahren schließlich die Einwanderung von Aussiedlern ein.

Nordrhein-Westfalen war für die einströmenden Menschen ein beliebtes Ziel, da hier ein hoher Arbeitskräftebedarf bestand. Bis 1950 nahm das Bundesland etwa 1,7 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge auf. Dabei wurden insbesondere ländliche Gebiete wie Ostwestfalen, das Münsterland und das Sauerland mit der Aufnahme von rund 2/3 der Vertriebenen konfrontiert. Das linksrheinische Rhein-Ruhr-Gebiet hingegen wurde aufgrund der hohen Kriegszerstörung zur Sperrzone erklärt und nahm zunächst ausschließlich Flüchtlinge für den Wiederaufbau auf.

Zur Ordnung der Bevölkerungsströme wurden zahlreiche Aufnahme- und Durchgangslager für Flüchtlinge und Vertriebene errichtet. Ein Beispiel dafür ist das 1948 in Betrieb genommene und bis 1970 offiziell betriebene Sozialwerk Stukenbrock. Die Geschichte und Funktionsweise vieler dieser Lager ist bis heute nur ansatzweise erforscht.

Die Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben der Geschichte des Kriegsgefangenlagers Stalag 326, die Geschichte des auf dem Gelände entstandenen Sozialwerkes Stukenbrock näher zu erforschen und zu dokumentieren. Damit wird die Besonderheit des Ortes - seine Nutzungskontinuität zunächst als sowjetisches Kriegsgefangenenlager, nach 1945 als Internierungslager und schließlich als Flüchtlingslager - herausgestellt und dieser Rechnung getragen. Ein Ziel der Gedenkstätte ist der Aufbau und die stetige Erweiterung einer Sammlung, die allen Interessenten für Recherchen und Forschungvorhaben zum Sozialwerk, zur deutschen Migrationsgeschichte (insbesondere zum Themenkomplex Flucht und Vertreibung) sowie zur Geschichte der Region zur Verfügung steht.








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